E-Busse im Praxistest

Seit einigen Wochen sind unsere E-Busse im Testbetrieb auf Kassels Straßen unterwegs. Vor ihrer Aufnahme in den regulären Linienbetrieb werden sie ausgiebig getestet. Auf unterschiedlichen Strecken wird vor allem die Reichweite der Batterien geprüft, aber auch die besonderen Herausforderungen der Kasseler Topograhie müssen erprobt werden. Weiterhin gilt es Erfahrungen zu sammeln über Einflüsse wie Witterung, Verkehrslage und Fahrten mit unterschiedlicher Auslastung durch Fahrgäste (anhand von Ersatzgewichten). 


 

Werkstattgespräch mit erster Testfahrt

Nachdem nun alle zwölf von der KVG bestellten vollelektrischen Busse, Modell Urbino electric von Solaris, in Kassel eingetroffen sind, beginnen umfangreiche Arbeiten für ihren ab spätestens Mai 2024 geplanten Linieneinsatz.

Bei einem „Werkstattgespräch“ am 7.12.2023 mit Pressevertretern informierten Vertreter der KVG über Details und die weiteren Schritte, bis die acht Schubgelenk- und vier Solobusse im Linienverkehr der KVG eingesetzt werden können. Im Anschluss drehten die Gäste und die KVG-Mitarbeitenden eine erste Fahrtrunde in einem der neuen Busse. Einen ersten Einblick erhalten Sie im Video.

 


 

Startschuss für die E-Bus-Flotte

Auf dem Weg zum emissionsfreien Nahverkehr hat die KVG den nächsten großen Schritt gemacht: Am 03.11.2023 sind die ersten beiden von insgesamt zwölf bestellten vollelektrischen Busse im Betriebshof Sandershäuser Straße eingetroffen. Die beiden zwölf Meter langen Solobusse vom Hersteller Solaris wurden per Tieflader nach Kassel gebracht. Bis Ende November folgten weitere zwei Solo- und acht große Schubgelenkbusse.

Nach Ausstattungsarbeiten, Schulungen für die Mitarbeitenden der Werkstätten und des Fahrdienstes, dem Aufbau der stationären Ladeinfrastruktur und einer demnächst beginnenden mehrwöchigen Testphase im Liniennetz sollen die emissionsfreien Fahrzeuge ab spätestens Mai 2024 im regulären Linienbetrieb eingesetzt werden.

Einen Blick in die neuen Fahrzeuge, die Begleitung der Testphasen und welche technischen Herausforderungen die Umstellung auf reinen Elektroantrieb auch mit sich bringt - darüber werden wir Sie in den nächsten Monaten an dieser Stelle informieren.

 

 


 

E-Busse für KVG: Kasseler Verkehrswende wird immer konkreter 

Die KVG bereitet in diesem Jahr mit großen Schritten die vollelektrische Zukunft ihrer Busflotte vor. Im Januar hatte die KVG bei dem Hersteller Solaris vier Solo- und acht Schubgelenkbusse, Modell New Urbino electric, bestellt. Die umweltfreundlich angetriebenen Fahrzeuge, die bis Mai 2024 in Betrieb genommen werden sollen, sind der erste Schritt der KVG hin zur Umstellung ihrer gesamten 80 Fahrzeuge umfassenden Busflotte. Die zwölf emissionsfreien und geräuscharmen Busse werden im gesamten Liniennetz der KVG eingesetzt, wovon insbesondere die Anwohner in den Wohngebieten profitieren. 

Die Beschaffung der zwölf Busse wird vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz gefördert. Das Ministerium übernimmt dabei 80 Prozent der Mehrkosten der Elektrobusse gegenüber Dieselmodellen. Die Beschaffung ist eingebettet in das Projekt der KVG „Mobilitäts- und Energiewende mit Elektrobussen in Kassel“, kurz: MEKS, in dem die Erfahrungen im Betrieb im Rahmen einer Begleitforschung vom BMWK verifiziert werden. Die Ergebnisse der KVG werden anderen Verkehrsbetrieben, die eine Umstellung ihrer Busflotte und deren Einsatz mit 100 Prozent erneuerbaren Energien planen, zur Verfügung gestellt.

Neue Betriebshöfe und Vergabe der Ladeinfrastruktur

Nach dem Erwerb von zwei ehemaligen Hübner-Geländen im Stadtteil Bettenhausen ist eins der dortigen Areale in der Sandershäuser Straße  als Standort für die neuen zwölf E-Busse vorgesehen. Den Bau der dafür erforderlichen Ladeinfrastruktur hat die KVG vergeben, den Zuschlag erhielt nach europaweiter Ausschreibung das Dinslakener Unternehmen SBRS GmbH. 

Angetrieben werden die neuen Busse zu 100 Prozent mit Strom aus erneuerbaren Energien ( z.T. Regionalstrom aus dem Windpark Stiftswald) der KVG-Schwester Städtische Werke AG. Aufgeladen werden die Busse zukünftig nachts in der Betriebsruhe an 6 Doppelladesäulen mit einer Leistung bis 150 kWh für das Laden von je 2 Bussen in dem künftigen Betriebshof der KVG in der Sandershäuser Straße. Bis die Ladeinfrastruktur allerdings final in Betrieb genommen wird, werden die Busse noch mit mobilen Geräten im Betriebshof der KVG in der Sandershäuser Straße 23 geladen. Aufgrund der Länge von Linien und der Kasseler Topografie ist während des täglichen Einsatzes der vollelektrischen Busse teils eine Zwischenladung mit einer Leistung bis 350 kWh erforderlich. Deshalb wird auch in der Wendeschleife Holländische Straße ein Ladepunkt für die E-Busse der KVG gebaut. Sowohl im Depot als auch auf der Strecke werden die Busse vollautomatisch mit auf dem Dach installierten Stromabnehmern (Panthograph) geladen. Die Investition bezuschusst das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz mit 40 Prozent.

 

Zwei von insgesamt zwölf E-Bussen kurz vor ihrer Reise nach Kassel Foto: Solaris

 

 

Q&A zu den E-Bussen

Im Folgenden beantworten wir einige weitere Fragen zum Thema E-Busse. Diese Rubrik wird fortlaufend akualisiert, halten Sie sich auf dem Laufenden.

Wie viel Platz bieten die E-Busse für Fahrgäste?

Der Innenraum der E-Busse folgt der bewährten Ausstattung unserer jüngsten Dieselbusgeneration.

Ein E-Schubgelenkbus bietet 38 Sitz- und 68 Stehplätze, ein Solofahrzeug 26 Sitz- und 45 Stehplätze (jeweils inklusive Fahrersitz), Ladebuchsen für z. B. Handy und Tablet sowie zwei Mehrzweckbereiche zum sicheren Abstellen etwa von Rollstühlen. 

Warum ist der Linienbetrieb mit den Bussen erst im nächsten Frühjahr geplant?

Bei Testfahrten auf unterschiedlichen Strecken wird zunächst vor allem die Reichweite der Batterien geprüft. Nach Herstellerangaben beträgt diese mindestens 220 km bei den Solo- und 170 km bei den Schubgelenkbussen. Ein E-Busbetrieb in einer Stadt wie Kassel mit ihrer besonderen Topograhpie, wie z.B. den starken Steigungs- und Gefällstrecken und langlaufenden Linien ist anspruchsvoll und muss daher ausgiebig getestet werden. Erfahrungen werden auch gesammelt über Einflüsse wie Witterung, Verkehrslage, unterschiedliche Auslastung mit Fahrgästen (anhand von Ersatzgewichten), auch unter Einbindung der Zwischenladestation an der Wendeschleife „Holländische Straße“. Auf Grundlage dieser Ergebnisse verifiziert die KVG das geplante Einsatzkonzept der Busse im Stadtgebiet Kassel.  

Im Programm stehen zudem die Schulung der rund 200 Busfahrerinnen und -fahrer der KVG, das KVG-Werkstattpersonal muss Routine beim täglichen Technik-Handling der Busse gewinnen. Auch wird die künftige Abstellfläche der Busse auf dem neuen KVG-Gelände in der Sandershäuser Straße  (ehemals Gelände der Firma Hübner) fertiggestellt. Nach der Inbetriebnahme eines Prüfstandes für das Gesamtsystem E-Bus, Pantograph und Ladevorgang wird in der KVG-Buswerkstatt noch ein neuer Dacharbeitsstand gebaut.

Warum hat sich die KVG für vollelektrische Busse entschieden?

Die zwölf Busse sind der erste Schritt der KVG für die Umstellung ihrer Dieselbusflotte (aktuell 80 Fahrzeuge) auf emissionsfreie Antriebe bis zum Jahr 2030. Anschließend kann die KVG einen emissionsfreien Verkehr auf ihren acht Straßenbahn- und 16 Buslinien anbieten. Damit leistet sie ihren Beitrag zur Verkehrswende in Kassel. Die Stadt hat sich das Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 klimaneutral zu werden. Hinzu kommen die Vorgaben der EU-Richtlinie Clean Vehicle Directive.

Welche Prüfungen und Untersuchungen gingen dieser Bestellung voraus?

In einer großen Machbarkeitsstudie hatte die KVG untersucht, wie die Einführung des Elektrobussystems in der Stadt Kassel gelingen kann. Dabei hat sie u. a. ermittelt, welche Anforderungen Elektrobusse für den Einsatz in der Stadt Kassel erfüllen müssen, auf welchen Linien sie verkehren können und wie das Ladekonzept einschließlich Lademöglichkeiten und Stromversorgung aussehen muss.

Um die Ergebnisse der Machbarkeitsstudie in der Praxis zu überprüfen, hatte die KVG im Jahr 2022 E-Busse verschiedener Hersteller getestet, bevor sie im Januar 2023 nach europaweiter Ausschreibung bei Solaris ihre ersten zwölf E-Busse bestellte.

Neuere Untersuchungen zeigen, dass der Wirkungsgrad und die Effizienz von E-Bussen höher ist als der von Wasserstoffbussen. Damit punkten vollelektrische Busse auch bei der Wirtschaftlichkeit.

Wie werden die Busse geladen und welche Batterien nutzen sie?

Voraussichtlich im Februar kommenden Jahres wird die stationäre Ladeinfrastruktur auf dem KVG-Gelände Sandershäuser Straße in Betrieb gehen: Zwölf Ladepunkte (an sechs Doppellademasten) mit jeweils maximal 150 kW Leistung zum nächtlichen Laden sowie ein weiterer Mast mit bis zu 350 kW in der Wendeschleife Holländische Straße für einen E-Bus. 

Der Ladevorgang ist einfach: Der E-Bus wird unter den Mast gefahren. Per Knopfdruck aktiviert das Fahrpersonal den Stromabnehmer (Pantograph) auf dem Dach, und der Bus wird vollautomatisch geladen.

Das Laden der Busse erfolgt batterieschonend, was die Lebensdauer der Batterien erhöht. Bis die stationäre Ladeinfrastruktur ihren Betrieb aufnimmt, werden die Busse durch mobile Ladegeräte mit Strom versorgt.

Die Akkus bestehen aus NMC(Nickel-Mangan-Cobalt). Bei den Solobussen befinden sich je zwei Batterien im Heck und auf dem Dach mit jeweils 88 kWh Kapazität, bei den Schubgelenkbussen sind zwei Batterien im Heck und vier auf dem Dach mit je 88 kWh. Die Bremsenergie der Busse wird genutzt, um die Batterien zu laden (Rekuperation).

Der Strom für die vollelektrischen Busse der KVG stammt zu 100 Prozent aus europäischer Wasserkraft sowie Regionalstrom vom Windpark Stiftswald.

Wie viel kosten die Busse, wie viel die Ladeinfrastruktur?

Die zwölf E-Busse kosten insgesamt etwa zehn Millionen Euro, die Ladeinfrastruktur rund 2,3 Millionen Euro. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWI) fördert 80 Prozent der Mehrkosten eines neuen Elektrobusses gegenüber einem Dieselbus und 40 Prozent der Ladeinfrastruktur.