E-Bus fährt zwei Jahre lang im KVG-Netz

06.06.2013
Zweijähriger Test im Rahmen von FREE

Elektromobil auf Linie: Beim Hessentag in Kassel lässt die KVG ab dem 15. Juni einen Elektrobus auf der Linie H1 über den Auedamm fahren. Anschließend startet er in seine zweijährige Testphase. In einem Pressetermin stellten heute den Bus und das damit verbundene Projekt FREE, das öffentliche Verkehrsmittel mit E-Pkw und Pedelecs integriert, vor (v.li.): KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert, Regionalmanager Holger Schach, Stadtbaurat Christof Nolda, Oliver Braune von der NOW GmbH, NVV-Geschäftsführer Wolfgang Dippel und KVG-Vorstandsvorsitzender Andreas Helbig (Foto: KVG AG / Fischer).

Besteht ein Elektrobus den Härtetest im Kasseler Liniennetz? Wie sind seine Fahreigenschaften, die Reichweite seiner Batterien, der Reparaturbedarf? Diese Fragen will die KVG in den nächsten zwei Jahren beantworten. So lange testet das Kasseler Nahverkehrsunternehmen einen Elektrobus auf mehreren Strecken. Eingebettet ist der Bus-Test in das Forschungsprojekt FREE. Dabei werden umweltfreundliche Fahrzeuge wie Busse und Bahnen, E-Pkw und Pedelecs gezielt miteinander (= multimodal) verknüpft. So wird nachhaltige Mobilität gefördert und ist ganz nach Bedarf für jeden nutzbar: ein „Fahren auf Zeit“ wie es etwa „Wohnen auf Zeit“ bereits gibt. Oder anders: Individualisten fahren öffentlich.

Während der documenta im vorigen Sommer hatte ihn die KVG angekündigt, jetzt ist er da: Der Elektrobus, der in den nächsten etwa zwei Jahren durch das Kasseler Streckennetz touren wird. Im Juni 2012 hatte die KVG bereits einen Elektro-Midibus zwei Wochen lang getestet und wertvolle Erfahrungen für seinen Nachfolger gesammelt.

Den gut zehn Meter langen und mit einem 180 kW-Elektromotor ausgestatteten Bus des tschechischen Herstellers SOR stellte die KVG heute Journalisten sowie Vertretern aus Wirtschaft und Politik vor. Die Einladung mit anschließender Jungfernfahrt hatten unter anderem Vertreter des E-Pkw-Herstellers German e-Cars und des Carsharing-Unternehmens einfach mobil angenommen, ferner der Solartechnikfirma SMA, der Universität Kassel und des KVG-Schwesterunternehmens Städtische Werke AG, das im Rahmen des Projektes FREE eine entscheidende Rolle bei dem Aufbau und Betrieb der Lade-Infrastruktur übernimmt.  

Vorbote einer E-Busflotte

„Wer mit Bussen und Bahnen fährt, bewegt sich umweltfreundlich. Vor allem in Kassel. Alle Trams im Stadtgebiet fahren seit Herbst 2007 klimaneutral mit Strom aus 100 Prozent erneuerbaren Energien“, betonte KVG-Vorstandsvorsitzender Andreas Helbig. „Neben den emissionsfreien Straßenbahnen sollen eines Tages in Kassel auch emissionsfreie Busse fahren. Der Test des Elektrobusses ist für uns ein wichtiger Schritt in diese Zukunft.“

Dass die KVG in dem perspektivischen Einsatz einer E-Busflotte nicht nur eine technische Herausforderung sieht, betonte KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert. „Für uns haben Tests mit Elektrobussen auch eine sehr pragmatische Komponente. Verschärfte Abgasnormen werden sich, vor allem in den Innenstädten, weiter durchsetzen. ÖPNV-Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit dieser neuen Technik gesammelt haben, haben dann die Nase vorn. Deshalb wollen wir uns frühzeitig mit dem Thema auseinander setzen.“

Zudem könnten die ÖPNV-Unternehmen durch intensive Tests im Linienbetrieb auch einen Beitrag zur Weiterentwicklung von Innovationen leisten. „Herstellerfirmen von Bussen und Ladeinfrastruktur sind sehr interessiert an kompetenten Hinweisen aus der Praxis. So erhalten sie Gelegenheit, ihre Produkte zur Marktreife zu entwickeln.“

Vorbote einer E-Busflotte, Vorbereitung auf neue Umweltgesetze, qualifizierte Hinweise für die Herstellerindustrie: Das ist nicht alles, was der Kasseler Elektrobus leisten soll. Er ist vor allem Teil eines umfassenden, multimodalen Mobilitätskonzeptes. Auch das soll in den kommenden zwei Jahren entstehen.

Multimodale Verkehrskonzepte befinden sich bundesweit im Aufwind. Zugleich sinkt, gerade in Ballungsräumen und Städten, die Bedeutung des eigenen Pkw immer weiter. Dies eröffnet Chancen für Alternativen: sinnvoll vernetzte und für jeden leicht zugängliche Verkehrsmittel.

Dem öffentlichen Nahverkehr kommt hier eine Schlüsselrolle zu. Busse und Bahnen können viele Fahrgäste gleichzeitig befördern. Zudem ist die ÖPNV-Infrastruktur in Städten bereits vorhanden. Damit bieten Busse und Bahnen die umweltfreundliche und kapazitätsstarke Basis für „mehr Mobilität“.

Im Rahmen des vom Bundes-Verkehrsministerium geförderten Forschungsprojekts FREE wird die KVG, zusammen mit der Städtische Werke AG und weiteren nordhessischen Partnern, in den nächsten zweieinhalb Jahren untersuchen, wie die elektrogetriebene Pkw und Pedelecs sinnvoll in ein umweltfreundliches und nachhaltiges Mobilitätskonzept integriert werden können. Untersuchungsgegenstand ist zudem wie neue, multimodale Verkehrskonzepte vermarktet werden sollen und wie die KVG von diesem innovativen Ansatz profitieren kann.

E-Car- und Bikesharing über Hotels

Den Menschen in der Region und gerade auch Hotelgästen wird die Möglichkeit geboten, sich ohne eigenes Auto in Kassel zu bewegen. Für 90 Prozent aller Strecken in der Stadt bieten Busse und Trams das bequemste, schnellste und kostengünstigste Angebot. Für die verbleibenden zehn Prozent entwickeln die in FREE zusammengeschlossenen Partner eine clevere Alternative: ein in das ÖPNV-Angebot integriertes Car-Sharing. So erhalten ÖPNV-Nutzer einen unkomplizierten Zugang zu einem Pkw oder einem Leihfahrrad. Dazu gehört auch die Entwicklung neuer Tarife und Buchungssysteme.

Die KVG nimmt bei FREE eine zentrale Rolle ein: Sie entwickelt das Konzept, plant Standorte für das Zusammenspiel der unterschiedlichen Verkehrsmittel und der Ladesäulen, gewinnt kooperationswillige Hotels für den Vertrieb der Produkte, kauft bis zu 20 E-Pkw und wird Carsharing-Partner für diese Autos. Sie wird auch das einheitliche Buchungsportal mitgestalten, gemeinsam mit dem NVV das einheitliche Ticket entwickeln und für den Vertrieb sorgen.

Das Modellprojekt FREE unter Federführung des Regionalmanagements Nordhessen startete im März in Kassel. Begleitet wird es von der Universität Kassel.

Der Hesssentag wird für den Elektrobus praktisch die erste Bewährungsprobe: Zusammen mit seinen großen „klassischen“ Brüdern wird er, eingereiht in die Linie H1, ab dem 15. Juni zehn Tage lang zwischen 11 Uhr und 19 Uhr über den Auedamm pendeln. „Die KVG bietet damit den Menschen in Kassel und den vielen Gästen in unserer Stadt ein ganz besonderes Erlebnis“, freute sich Kassels Stadtbaurat Christof Nolda während des Pressetermins. „So etwas gab es schließlich noch nie bei einem Hessentag. Der Bus ist eine echte Hessentagspremiere und passt hervorragend zu dem Landesfest, das wir klimaneutral gestellt haben. Er leistet hier einen kleinen aber sehr feinen und exakt zu dem Konzept passenden Beitrag.“

Technische Daten des E-Busses

  • Fahrzeugart: Linienbus SORl EBN Elektrobus 10,5 m
  • Länge, Breite, Höhe, Achsabstand, Gewicht: 10,37 m / 2,52 m / 2,92 m / 6,32 m. Niederflureinstieg. Zulässiges Gesamtgewicht: 16.500 kg
  • Türen: 3, Platzkapazität: 92, davon 26 Sitz- und 66 Stehplätze
  • Motor: sechspoliger, asynchroner Elektromotor. Dauerleistung: 120 KW/400 V. Kühlung: flüssig, Gewicht: 430 kg
  • Batterien: 180 Lithium-Ionen-Batterien, Gesamtkapazität: 172 kW, Hersteller: Winston Battey. Die Batterien speichern beim Bremsen rückgewonnene Energie und werden über einen externen Plug-in-Anschluss geladen. Batterieladung: 1,5 Std. mit Schnellladestation,
  • 8 Stunden mit konventionellem Terminal. Reichweite: 160 - 180 km
  • Maximalgeschwindigkeit: 80 km/h
  • Hersteller: SOR Libchavy spol. s.r.o. , Libchavy, Generalvertretung Deutschland:midea Elektrobus GmbH, Vöhringen-Illerberg

Quelle: Midea GmbH, Vöringen-llerberg.


Die KVG AG hat den Elektrobus für zwei Jahre geleast.

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