Neben Theorie gehören praktische Übungen zur Fahrbegleiterausbildung: Hier stehen Schüler der Christine-Brückner Schule in Bad Emstal am Bus und simulieren mit Kreide und Zollstock den Ausschwenkkreis des Fahrzeugs. Sie besprechen dabei, warum es so wichtig ist, beim Warten auf den Bus genügend Abstand zum Bordstein und zum Fahrzeug zu halten (Foto: KVG AG / Paavo Blafield)

Birgit Schaumburg von der KVG bildet Schülerinnen und Schüler aus Schulen im Landkreis Kassel zu Fahrbegleitern aus. Fast 1800 junge Menschen haben seit 2004 die Kurse durchlaufen. Die Jugendlichen sorgen vor und nach Schulschluss für Sicherheit in Bus und Bahn und damit für ein stressfreieres Miteinander aller (Foto: KVG AG / Pia Malmus).

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Die Fahrbegleiterausbildung der KVG

Sicher und stressfrei Fahren in Bus und Bahn

KVG bildet seit 2004 Schüler zu Fahrbegleitern aus

Kassel, 14. Juni 2024. Bereits seit dem Jahr 2004 bildet die KVG Schülerinnen und Schüler zu Fahrbegleitern aus. Fast 1800 junge Menschen haben bisher die Kurse durchlaufen.  Die Jugendlichen sorgen vor und nach Schulschluss für Sicherheit in Bus und Bahn und damit für ein stressfreieres Miteinander aller. Sie sind Ratgeber, Eingreifer und Streitschlichter. Birgit Schaumburg von der KVG leitet seit Jahren die Kurse für die jungen Ehrenamtler im Auftrag des Landkreises Kassel.

Gerade nach Schulschluss geht es in den Haltestellen schon mal hoch her. Und wo so viel jugendliche Energie ist, wird auch geschubst und gerempelt. Wie gut, dass dann jemand da ist, der aufpasst, dass nichts passiert und die überbordende Ausgelassenheit beruhigen kann. Wer wäre dafür besser geeignet als ein anderer Schüler?

„Die jungen Fahrbegleiter machen einen super Job, sind echte Partner für ihre Mitschüler und unser Fahrpersonal“, sagt Birgit Schaumburg, und sie muss es wissen: Die heute 61-jährige leitet das Fahrbegleitertraining der KVG an Schulen im Landkreis Kassel seit 2009. „Die Jugendlichen übernehmen Verantwortung für andere, sind Vorbild und Ansprechpartner auf Augenhöhe. Fahrbegleiter wirken vor allem präventiv oder sie greifen bestimmt, aber freundlich ein und unterstützen zum Beispiel die Kleineren, damit sie in Bus oder Bahn einen Sitzplatz bekommen.“

Die 13- bis 15-jährigen aus den siebten und achten Klassen nehmen alle freiwillig teil, mit Einwilligung ihrer Eltern. Im laufenden Jahr bietet Schaumburg fünf Trainings in Schulen, die jeweils fünf oder sechs Tage dauern. In Rollenspielen üben sie, wie sie Konfliktsituationen und mögliche Gefahren früh erkennen und Lösungen finden, um Auseinandersetzungen, Verletzungen und Beschädigungen zu vermeiden. Wichtig dabei: Die Fahrbegleiter sollen helfen. Sie dürfen sich dabei aber selbst nie in Gefahr bringen. Auch deshalb sind sie immer mindestens zu zweit unterwegs und werden dazu ermuntert, sich in schwierigen Situationen an den Fahrer zu wenden. „Das nutzt beiden Seiten“, fügt Schaumburg hinzu. „Die Fahrbegleiter wissen, da ist ein Erwachsener, der sie unterstützt, und unser Fahrpersonal schätzt die ausgebildeten Jugendlichen, weil sie für mehr Ruhe und Sicherheit sorgen.“

Am ersten Tag eines Trainings ist die Polizei Nordhessen mit von der Partie. Ihre Rolle besteht vor allem im „Augen öffnen“, erklärt Birgit Schaumburg, „und den meisten der Jugendlichen wird dann erstmals bewusst, dass falsches Verhalten Konsequenzen sogar für ihr Erwachsenenleben haben kann.“

Zum Beispiel bei einem vermeintlich harmlosen „Bein-stellen“, wodurch sich jemand verletzt. Dies kann ab einem Alter von 14 Jahren zu einem Strafverfahren wegen Körperverletzung führen, zu Schmerzensgeldzahlung an den Geschädigten oder Regressforderungen von Versicherungen.

Wenn die Eltern des Verursachers diese Kosten nicht übernehmen und er selbst auch nicht genügend Geld hat, wird er als Erwachsener zur finanziellen Verantwortung gezogen. „Das wissen nicht viele“, schildert Schaumburg ihre Erfahrung.

Die jungen Menschen reifen bei dem Training, hat Birgit Schaumburg beobachtet. „Mich beeindruckt immer wieder, wie aus der zusammengewürfelten Gruppe ein Team wird. Sie arbeiten sehr schnell zusammen. Jeder Einzelne von ihnen wird selbstbewusster, weil sie sich etwas trauen und im Lebenslauf, bei späteren Bewerbungen für einen Ausbildungsplatz, punkten sie durch ihr engagiertes Ehrenamt.“

„Und auch ich lerne von ihnen“, fügt sie hinzu. „Als Bezugsperson komme ich mit vielen unterschiedlichen Jugendlichen zusammen, die mir ihre Erfahrungen zum Straßenverkehr und vor allem dem ÖPNV näherbringen.“