Nummer 22 in den Kreis der KVG-Tramfamilie aufgenommen

19.07.2013

Bevor die Tram eingegleist werden kann, muss die die Oberleitung abgeschaltet werden.

Zumindest in die Tram schon einmal in der Halle - jetzt muss sie auf die Schienen.

Die Tram wird vom Hänger auf die Schienen gebracht.

Zu guter Letzt: Mit der Übergabe der Frachtpapiere an KVG-Vorstand Norbert Witte (3. v.li.) endete heute Vormittag mit Wagen 672 die Anlieferung der jüngsten der 22 neuen Bahnen der KVG. Damit schloss sich zugleich der Kreis für das 55 Millionen Euro-Investitionsprojekt. Mit dabei: Karsten Kamutzki, Chef der gesamten KVG-Fahrzeugflotte (li). und Christian Schuppe (re.), Projektleiter für das Tram-Neubeschaffungsprogramm.

Es ist vollbracht: Wagen 672 steht auf den Schienen. Wie angekündigt, war heute Morgen  kurz nach Mitternacht die neueste Niederflur-Tram der KVG auf ihrem Tieflader in den Betriebshof Wilhelmshöhe gerollt. In zwei Nächten hatte die auf Schwerlasten spezialisierte Firma Universal Transport die Bahn auf einem Tieflader vom Werk des Bahnherstellers Bombardier im sächsischen Bautzen auf ihre Reise nach Kassel geschickt.

Heute Vormittag war das Abladen der Bahn nach gut einer Stunde gegen 11 Uhr beendet und die jüngste KVG-Tram stand erstmals auf Kasseler Schienen. Unternehmens-Vorstand Norbert Witte unterzeichnete die Frachtpapiere. Damit gehört Wagen 672 jetzt auch offiziell der KVG. Auch Vorstandsvorsitzender Andreas Helbig zeigte sich hoch zufrieden: „Ich freue mich, dass damit unser 55 Millionen Euro-Projekt erfolgreich abgeschlossen ist, und dass wir mit den neuen Niederflurbahnen unseren Fahrgästen einen hervorragenden Komfort bieten können“.

Jetzt beginnt für Wagen 672 die so genannte Inbetriebnahmephase, die voraussichtlich rund anderthalb Wochen dauern wird.  Dazu gehören etwa die Sicht- und Funktionskontrolle sämtlicher Fahrzeugsysteme, Einstellungen an elektrischen und mechanischen Komponenten und die Ergänzung der Betriebsstoffe wie Schmiermittel, Sand und Wasser zum Beispiel. Den Abschluss bildet die Probefahrt im Liniennetz, in der auf einem gesperrten Streckenabschnitt die gesetzlich vorgeschriebenen Prüfungen aller Bremssysteme vorgenommen werden.

Bei der ersten neuen Bahn hatte die Inbetriebnahme noch rund drei Monate gedauert, weil für die Typzulassung der Fahrzeugserie zahlreiche Tests im gesamten Streckennetz und somit einschließlich der EBO-Trassen im Lossetal und nach Baunatal, erforderlich waren. Die erste neue Flexity Classic-Tram, Wagen 651, war Ende November 2011 aus dem sächsischen Bombardier-Werk in Bautzen in Kassel eingetroffen. Damit stehen jetzt Neufahrzeuge im Wert von rund 55 Millionen Euro im Betriebshof der KVG. Weil das Land Hessen Neubeschaffungen im ÖPNV nicht mehr bezuschusst, finanziert das Nahverkehrsunternehmen diese Summe vollständig selbst. Zuletzt hatte die KVG 1999 und 2003 insgesamt 32 neue Niederflurbahnen, Wagen 601 bis 640, in den Linienbetrieb gestellt.

Umbruch im Schienenfahrzeugpark der KVG 1: Neu gegen alt

Die „Jüngsten“ haben seit ihrer schrittweisen Inbetriebnahme ab Frühjahr 2012 mittlerweile die meisten der 22 Hochflurbahnen (N8C) der KVG der Baujahre 1981 bis 1986 abgelöst, die betriebsbereit abgestellt sind. Lediglich sechs Hochflurtrams werden bleiben, die übrigen sollen im kommenden Jahr verkauft werden.

Die Vorteile der 22 neuen Bahnen gegenüber den N8C liegen auf der Hand: Sie bieten mit etwa 180 Sitz- und Stehplätzen gegenüber den rund 140 der Hochflurtrams mehr Beförderungskapazitäten, zumal die Zahl der Fahrgäste der KVG steigt. Im Jahr 2012 fuhren rund 43,4 Millionen oder nochmals etwa 600.000 Menschen mehr mit den blauen Bussen und Bahnen im KVG-Streckennetz als ein Jahr zuvor. Mehr Komfort als die Hochflurmodelle bieten die neuen Bahnen außerdem durch Klimatisierung, eine ruhigere Fahrweise sowie den niederflurigen Ein- und Ausstieg. Letzterer Aspekt hat zusätzlich eine wirtschaftliche Komponente, denn schnelle Ein- und Ausstiegszeiten erhöhen ebenfalls die Beförderungskapazitäten, denn sie erlauben einen dichteren Takt.

Abgesehen von diesen Vorteilen war für die KVG noch ein Argument kaufentscheidend: Die Hochflurbahnen der 1980-er Jahre sind, trotz ihrer Robustheit und ihres nostalgischen Werts, auch in Hinblick auf ihren hohen Instandhaltungs- und Reparaturbedarf und die damit verbundenen Kosten unverhältnismäßig teuer, zumal der Ersatzteilmarkt mittlerweile so gut wie leergefegt ist.

Darüber hinaus sind die 22 „Neuen“ flexibler einsetzbar: Sie sind Zweirichtungsfahrzeuge, können zusammengekuppelt werden („traktionsfähig“) und verfügen und über EBO-(Eisenbahnbau- und Betriebsordnung)Zulassung. Dadurch sind sie auch für Fahrten auf den Trassen nach Baunatal und durch das Lossetal geeignet. „Unsere neuesten Bahnen erfüllen somit in jeder Hinsicht die Kriterien, die ein modernes ÖPNV-Unternehmen an seine Fahrzeuge stellen muss“, Andreas Helbig zusammen. „Angesichts steigender Fahrgastzahlen, Streckenerweiterungen wie zuletzt nach Vellmar und immer höheren Ansprüchen der Kunden sind neue Fahrzeuge für uns ein Gebot der Vernunft. Nur sie gewährleisten genügend Platz, Komfort und eine wesentlich höhere Zuverlässigkeit im Betrieb.“  

Umbruch im Schienenfahrzeugpark der KVG 2: Retrofit für 15 Trams

Neu gegen alt: Das ist nicht der einzige Umbruch, der sich derzeit im KVG-Schienenfahrzeugpool vollzieht. Im Laufe dieses Jahres beginnt die umfassende Sanierung von 15 Bahnen der ersten Niederflurgeneration (6ENGTW),  denn diese Fahrzeuge, Baujahr 1991, werden ab 2016 die Grenze ihrer Nutzungsdauer erreichen.

Das so genannte Retrofit-Projekt soll 2017/2018 beendet sein und bedeutet eine Investition von rund 15 Millionen Euro. „Auch diese stolze Summe ist gut angelegt“, erklärt Helbig weiter. „Diese Bahnen müssen dringend grundlegend saniert werden, um in den nächsten Jahren einsatzbereit zu bleiben.“

Die Alternative wäre der Neukauf weiterer 15 Fahrzeuge gewesen. „Anders als bei den 22 im Jahr 2010 bestellten Trams aber hätten wir dann nicht mehr einen Kaufpreis von rund 2,5 Millionen Euro pro Fahrzeug realisieren können. Jede weitere neue Bahn hätte rund drei Millionen Euro gekostet. Eine zusätzliche Investition von nochmals 45 Millionen Euro hätte unsere finanziellen Grenzen zu weit gesprengt“, so Helbig abschließend. 


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