Mit Glycerin vorbeugen gegen Eis

14.11.2013

Test bestanden: Mitarbeiter der Tramwerkstatt haben auf den Schienenpflegezug der KVG einen Enteisungsbügel montiert, der in diesem Winter die Oberleitungen vor Eis und Raureif schützen soll. Das Foto zeigt den Schienenpflegezug bei seiner Testfahrt.

Der neue Bügel der Firma Stemmann wird jetzt bei der KVG eingesetzt, um die Vereisung von Fahrdrähten zu verhindern. Mit einer großen Filzrolle wird Glycerin auf die Oberleitung gestrichen. Heruntertropfendes Frostschutzmittel wird wieder aufgefangen und kann wiederverwendet werden.

Kassel, 14. November 2013. Vereiste Oberleitungen sind für Straßenbahnunternehmen ein großes Problem, denn Eis und Raureif können den Kontakt zwischen der Bahn und ihrem Stromabnehmer unterbrechen. Die Folgen reichen von unruhiger Fahrt durch die schwankende Stromversorgung bis zu Fahrtausfällen und Elektronikschäden an den Trams.

 

Die KVG lässt deshalb in den Wintermonaten ihren orangefarbenen Schienenpflegezug mit dem Auftrag: „Freifahren der Oberleitung“ durch ihr Streckennetz touren. Dabei knackt eine auf dem Dach des umgebauten Triebwagens befestigte Kohlenschleifleiste mit Kupfereinlage mit einem Druck von zehn Kilogramm das Eis. Vier weitere Bahnen können ebenfalls mit einer so genannten Raureifleiste ausgestattet werden. Diese Ausstattung ist mobil. So können die Trams nachts als „Eisbrecher“ arbeiten und tagsüber wieder im Liniennetz Fahrgäste befördern.

 

Der Schienenpflegezug fährt jetzt mit einem weiteren Auftrag und der heißt: Prävention. Der Triebwagen wurde zusätzlich mit einem Fahrleitungs-Enteisungsbügel der Firma Stemmann ausgerüstet. „Enteisung“ ist hier jedoch nicht der korrekte Begriff, denn von der Oberleitung wird nichts entfernt. Der Fahrdraht wird vielmehr mit Glycerin bestrichen, damit sich kein Reif oder Eis bilden kann. Zwei bis drei Tage soll die Frostschutzwirkung anhalten.

 

Eine mit Glycerin getränkte Filzrolle überträgt während der Fahrt das Mittel auf die Oberleitung. Heruntertropfendes Glycerin wird in einer Wanne aufgefangen und kann wiederverwendet werden. Die KVG erhofft sich durch diese neue Methode einen stabileren Winterbetrieb, mehr Komfort für die Fahrgäste und geringere Kosten, vor allem weil sich der Personaleinsatz gleichmäßiger organisieren lässt.
 

Konzept für Busersatzverkehre

Bei starken Schneefällen oder vereisten Straßen wird die KVG auch in diesem Winter ihr Stufenkonzept für Busersatzverkehre einleiten. Dieses sieht zunächst den Austausch der rund 28 Tonnen Schubgelenkbusse gegen rund 18 Tonnen wiegende Solobusse vor. Wenn auch diese nicht mehr fahren können, beauftragt die KVG Taxiunternehmen, damit Fahrgäste mit einem Anrufsammeltaxi (AST) an ihr Ziel gelangen. Ergänzt werden die Taxen in einzelnen Fällen durch Funkwagen der KVG-Leitstelle, wo immer sie dafür abgezogen werden können.
 

Stadtreiniger betreuen Nahverkehrsspuren

Für den Winterdienst auf den Tramhaltestellen sowie den Fahrflächen, die sich Bahnen und Busse teilen (Nahverkehrsspuren), sind die Stadtreiniger Kassel zuständig. Dies betrifft etwa die Hälfte der Kasseler Schienentrassen. Auf der zweiten Hälfte leistet die KVG mit einem mit einem Schneeschild ausgerüsteten Unimog den Winterdienst selbst und hält in ihrem Betriebshof Wilhelmshöhe rund 30 Tonnen Streusalz vor. Der Schneeschild-Unimog sowie ein zweites solches Fahrzeug können zudem auf Straßen eingesetzt werden.

 

Bei den Bushaltestellen, die auf einem Gehweg liegen, sind die jeweiligen Grundstücksanlieger zum Räumen und Streuen verpflichtet und somit Privatpersonen oder Unternehmen. Diese Haltestellen müssen auf einer Breite von mindestens 1,50 m von Schnee und Eis freigehalten werden, damit Fahrgäste gefahrlos ein- und aussteigen können und die Türen der Fahrzeuge nicht aufsetzen.

 

Die Sicherheit von Menschen ist stets vorrangig. Bei extremen Witterungsbedingungen müssen Fahrgäste deshalb mit Verspätungen oder Ausfällen rechnen. Trotz aller Vorbereitungen und Notfallpläne rät die KVG allen ihren Kunden, bei Wintereinbruch mehr Zeit für die Fahrten einzuplanen.

 

Wo und in welchem Umfang der öffentliche Nahverkehr beeinträchtigt ist, erfahren Fahrgäste an den vielen elektronischen Anzeigern im Liniennetz. Eilmeldungen veröffentlicht die KVG auch über Twitter unter dem Suchbegriff „KVGinfo“. Diese Meldungen stehen zudem auf der Homepage unter www.kvg.de. Auf Facebook ist die KVG ebenfalls präsent unter www.facebook.de. Persönliche Informationen bietet das NVV-Servicetelefon unter der kostenfreien Rufnummer unter 0800-939-0800.

NVV-Servicetelefon: 0800 - 939 - 0800 (gebührenfrei)
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