• ++ Arbeiten der KVG in der Mauerstraße enden früher als geplant.
  • ++ Bereits ab Samstag, 21. Oktober, Betriebsbeginn, können alle Busse dort wieder fahren.
  • ++ Die für diesen Tag angekündigte Vollsperrung der Straße ist damit nicht erforderlich.
  • ++ Nähere Infos s. >> Presseservice <<

KVG-Bilanz 2016

07.08.2017

Zufriedene Kunden aber wirtschaftlich unter Plan 


  • Ergebnis 1,2 Mio. Euro geringer als geplant 
  • Erhöhte Investitionstätigkeit 
  • Rekordwert bei der Fahrgastzufriedenheit
  • Liniennetzreform auf den Weg gebracht
  • Weiterentwicklung im Rahmen des Programms „KVV 2022 – Fit für die Zukunft“

 

Kassel, 7. August 2017. Trotz eines gestiegenen Defizits blicken die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft AG (KVG) und ihr Beteiligungsunternehmen, die Regionalbahn Kassel GmbH (RBK), auf ein insgesamt immer noch erfolgreiches Jahr zurück: Die Liniennetzreform wurde auf den Weg gebracht, strukturelle Veränderungen innerhalb des Unternehmens gemeistert und im Kundenbarometer erreichte die KVG einen Rekordwert bei der Gesamtzufriedenheit ihrer Fahrgäste. Über die gute Bewertung freuten sich besonders die 890 Mitarbeiter, die auf Schiene und Straße, in den Werkstätten und Büros dafür Sorge tragen, dass bei KVG und RBK alles rund läuft. Insgesamt etwa 46 Millionen Nordhessen und Besucher der Region waren 2016 auf den 19 Bus- und sieben Straßenbahnlinien unterwegs. Damit war und ist die KVG Nordhessens größter Mobilitätsdienstleister. 

 

Der Stadt Kassel ist der Nahverkehr viel wert. Im Jahr 2016 betrug der Beitrag der Stadt zur Finanzierung des ÖPNV insgesamt 23,3 Mio. Euro. Dieser besteht aus der Übernahme des Jahresdefizits von 17,3 Mio. Euro, der Infrastrukturkostenhilfe von 4,9 Mio. Euro und den Pensionsverpflichtungen in Höhe von 1,1 Mio. Euro. 

 

Der Fehlbetrag im Jahr 2016 stieg gegenüber 2015 um rund 1,6 Mio. Euro. Die KVG hatte mit -16,1 Mio. Euro geplant. Die Planunterschreitung lag im Wesentlichen an insgesamt niedrigeren Linienverkehrseinnahmen sowie außerplanmäßigen Abschreibungen auf das Anlagevermögen, die nur teilweise durch Kosteneinsparungen und höhere Entgelte für Dienstleistungen im KVV-Konzern ausgeglichen werden konnten. 

 

Um auch in Zukunft ein attraktives ÖPNV-Angebot gewährleisten zu können, investierte die KVG rund 16,9 Millionen Euro in Infrastruktur, Fahrzeuge und Vertriebstechnik. Mit dem Ergebnis, dass zahlreiche Modernisierungen am Schienennetz umgesetzt wurden, die Busflotte verjüngt und Trams auf der Linie 1 mit Beiwagen versehen werden konnten. Die Weichen sind somit gestellt und werden in den kommenden Monaten und Jahren fortlaufend nachjustiert, damit die KVG auch in künftigen Kundenbarometer-Befragungen die Attribute zuverlässig, modern und professionell zugeschrieben bekommt. 

 

Wesentliche Ursache für den im Vorjahresvergleich um 14,1 Mio. Euro geringeren Umsatz der KVG waren um 12,2 Mio. Euro niedrigere Erlöse für die Bereitstellung von Personal, Fahrzeugen und Trassen an die KVV Verkehrsgesellschaft Nordhessen GmbH (KVN) und die Nordhessenbus GmbH (NB). Der Grund war vor allem rechtlicher Natur: Neben der Umsetzung des arbeitsrechtlichen Gemeinschaftsbetriebes erbringt die KVG seit dem Fahrplanwechsel 2015/2016 die Busverkehrsleistung selbst, sodass die Betriebsmittel ab diesem Zeitpunkt nicht mehr der NB entgeltlich bereitgestellt werden. Mit dem Abschluss des neuen Verkehrsservicevertrages stellt die KVG der KVN nicht mehr die Trassen in Kassel und Vellmar, die Straßenbahnen, das Fahrpersonal, den Stromverbrauch für den Fahrbetrieb und die weiteren Dienstleistungen gegen Entgelt bereit. Gleichzeitig entfällt ab diesem Zeitpunkt der Aufwand für den Verkehrsvertrag Straßenbahn. 

 

Zwar stiegen die Einnahmen aus Ticketverkäufen leicht um rund 950.000 Euro. Durch Rückstellungen verminderten sich die Einnahmen aus dem Linienverkehr in Summe aber um 1,2 Mio. Euro im Vorjahresvergleich. Wesentliche Ursache dafür war die Abrechnung der Einnahmeaufteilung mit dem Nordhessischen VerkehrsVerbund (NVV). Daraufhin mussten die Erwartungen an den Einnahmeanspruch 2016 angepasst und Rückstellungen gebildet werden. In der Folge sank das Betriebsergebnis der KVG um eine Mio. Euro auf -14,7 Mio. Euro. 

 

Traditionell investiert die KVG fast ausschließlich in der nordhessischen Region und stärkt so auch heimische Unternehmen anderer Branchen sowie die regionale Wertschöpfung. Im Jahr 2016 beliefen sich die Investitionen auf 16,9 Mio. Euro oder rund 3,8 Mio. Euro mehr als im Jahr zuvor. Der höchste Einzelbetrag mit 3,1 Mio. Euro floss in die Modernisierung der Rathauskreuzung – ein an Komplexität kaum zu überbietendes Bauprojekt, das trotz Lieferproblemen und daraus folgenden mehrmaligen Umplanungen der Bauabläufe und der Verkehrsführung mit nur einwöchiger Verlängerung, gleichwohl pünktlich zur Kasseler Museumsnacht, abgeschlossen werden konnte.

 

Die wichtigsten Kennzahlen der KVG 2016 (in Tsd. Euro):

 

Stand 31.12.20162015
Umsatzerlöse86,3100,4
Erlös aus Linienverkehr48,647,7
Betriebsergebnis-14,7-13,7
Verlust aus Steuern17,315,7
Investitionen16,913,1

Mitarbeiter*

KVG

KVN

 

642

248

 

599

266

*Jahresende 2016, jeweils inklusive Auszubildende

 

KVG Teil einer umfassenden Neuausrichtung des Kasseler Stadtkonzerns

Als Tochter der Kasseler Verkehrs- und Versorgungs-GmbH (KVV) ist die KVG Teil der derzeitigen Neuausrichtung des Kasseler Stadtkonzerns. Mit dem Programm „KVV 2022 – Fit für die Zukunft“ will der Konzern sich und seine Beteiligungs-gesellschaften stärker an die veränderten Marktbedingungen anpassen und zukunftssicher aufstellen. Grundlage dafür ist eine umfassende wirtschaftliche und strategische Analyse des Konzerns und seiner Geschäftsfelder, die die Kasseler im letzten Jahr durchgeführt haben. Auf deren Ergebnisse wurde für jedes Geschäftsfeld eine spezifische Vorwärtsstrategie entwickelt. Derzeit werden die dafür erforderlichen Maßnahmen erarbeitet und zwischen den Betriebsparteien diskutiert. Im Verkehrsbereich spielt vor allem die fehlende Förderung der Nahverkehrsinfrastruktur eine zentrale Rolle. Wie damit umzugehen ist, soll jetzt genauer bestimmt werden.

 

Wesentliche aktuelle Projekte

Auf zu den neuen Kasseler Linien

Ein für Kassel beispielhaft umfassender Beteiligungsprozess, eine erste Vorlage und eine nach mehr als 1.100 Rückmeldungen und Hinweisen von Bürgern überarbeitete Fassung – in Summe ein gut zweijähriger Prozess bis zur politischen Beschlussfassung: Der Weg zu den „Kasseler Linien“ war lang. Am 19. Juni 2017 stimmten die Kasseler Stadtverordneten der überarbeiteten Variante der Liniennetzreform zu. Demnach könnten die „Kasseler Linien“ kurz vor dem Beginn der Osterferien im März 2018 starten. Die finale Terminabstimmung mit der Stadt Kassel und dem NVV steht jedoch noch aus.

 

Bei der Reform geht es im Kern darum, Angebot und Nachfrage besser aufeinander abzustimmen und das Gesamtnetz grundlegend zu überarbeiten. Kapazitäten auf stark nachgefragten Linien werden gestärkt, auch um Fahrgastpotenziale auszuschöpfen. Im Gegenzug werden Überkapazitäten, etwa auf einigen Buslinien, reduziert oder auf ein Bedarfsangebot umgestellt. Ganz neue Angebote werden ebenfalls geschaffen. 

 

Unter dem Strich bedeuten die „Kasseler Linien“ eine Ausweitung der Gesamtkapazität. Nach bisherigen Kalkulationen werden sie das Ergebnis der KVG um rund eine Million Euro pro Jahr verbessern. Zugleich kommt die Reform den Fahrgästen entgegen, weil sie auf stark frequentierten Linien komfortabler reisen können und die Anschlüsse und damit die Umstiege zuverlässiger funktionieren. 

 

Comeback der Beiwagen, Retrofit der 6ENGTw und neue Busse

Bis Herbst 2003 gehörten Straßenbahn-Beiwagen zum alltäglichen Bild. Seit Dezember 2016 erleben sie ihr Kasseler Comeback. Auf der Tramlinie 1 ersetzen sie in Doppeltraktionen verkehrende Triebwagen. 15 Bombardier-Niederfluranhänger hatte die KVG von den Rostocker Verkehrsbetrieben gebraucht erworben und baut sie nach und nach um. Bisher werden drei von ihnen eingesetzt, weitere Fahrten mit Beiwagen sind mit dem Start der Liniennetzreform zwischen der Endhaltestelle Ihringshäuser Straße und dem Schulzentrum Brückenhof geplant. 

Unterdessen setzt die KVG das so genannte Retrofit eines Großteils der Niederflurbahnen der ersten Generation fort. Sieben Bahnen vom Typ 6ENGTw wurden bereits komplett saniert, sechs weitere werden voraussichtlich bis Ende 2018 folgen. 

 

Ab März 2017 hat die KVG begonnen, 23 ihrer insgesamt rund 70 Busse gegen neue zu ersetzen. Zehn Schubgelenkbusse (SGB) und 13 Solobusse des Herstellers Solaris fahren jetzt im Linienverkehr – ein Beschaffungsprogramm im Volumen von rund 5,5 Mio. Euro.

 

Forschungsprojekt für neue und individuelle elektronische Tarife

Um künftig vor allem regelmäßig Gelegenheitsnutzern attraktivere Fahrpreise bieten zu können und dabei den Kauf mit dem Smartphone zu erleichtern, beteiligen sich KVG und NVV mit dem Forschungsprojekt „FlexiTarife“ am Forschungsprogramm des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur. Bei diesem Projekt sollen neue Tarifmodelle für das NVV-Handyticket in einer Pilotphase praktisch getestet werden. KVG und NVV werden ab August 2017 Testkunden akquirieren, die etwa sechs Monate lang an dem Pilotprojekt „FlexiTarife“ teilnehmen. 

 

Bei einem erfolgreichen Ergebnis können voraussichtlich ab dem Fahrplanjahr 2019 alle Kunden des nordhessischen ÖPNV die neuen elektronischen Tarife nutzen.

 

Schülerticket Hessen und neue JobTicket-Modelle

Im Zuge der Einführung des neuen landesweiten Schülertickets Hessen zum 1. August 2017 hat die KVG als zentrale Vertriebsorganisation des NVV ein Jahreskartenabonnement für diese Kundengruppe in Form einer elektronischen Chipkarte eingeführt. Dazu mussten ab Sommer 2016 zahlreiche Vertriebsprozesse umgestellt und neue eingeführt sowie alle Prüf- und Kontrollsysteme auf das erste E-Ticket im NVV ausgerichtet werden. Zudem galt es, in einer zeitlich sehr knappen Umstellungsphase inzwischen fast 17.000 Abos zu bearbeiten.

 

Seit Ende 2015 läuft auch die Umstellung auf neue JobTicketmodelle durch KVG und NVV. Hierbei wird stärker als zuvor die finanzielle Unterstützung durch den Arbeitgeber berücksichtigt. Einen zusätzlichen Nachfrageschub erwartet die KVG mit dem Start des ebenfalls landesweit geltenden JobTickets für hessische Landesbedienstete ab 1. Januar 2018, mit dessen pauschaler Kostenübernahme durch das Land Hessen auch eine Verbesserung der Einnahmesituation für KVG und NVV verbunden sein soll.

 
Mehr Effizienz und Sicherheit im öffentlichen Verkehr durch „Veronika“

Mehr Effizienz und Sicherheit im öffentlichen Verkehr: Diese beiden Ziele vereinigt das Projekt „Veronika“ der Stadt und der Universität Kassel, gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. In der Testphase sollen 15 Ampeln, zehn Straßenbahnen der KVG und Busse des NVV sowie ein Rettungswagen des ASB mit einer neu entwickelten Software ausgestattet werden, die die Grünphasen der Ampeln zeitlich noch genauer auf die Annäherung der öffentlichen Fahrzeuge abstimmt. Damit sollen auch andere Verkehrsteilnehmer kürzer an den Ampeln warten müssen und Abgase vermieden werden. Ab Herbst 2018 sind Praxistests im Linienbetrieb geplant.

 

Zusätzliche Energie für die Bahnen

Neue Straßenbahnen mit einem höheren Gewicht, zusätzliche Stromverbraucher wie Klimaanlagen, Einsätze von Doppeltraktionen und Beiwagen: Die Anforderungen an die Energieversorgung der Straßenbahnen und RegioTrams ist in den vergangenen Jahren gestiegen und wird sich durch weitere Beiwagenverbände noch erhöhen. Wie in anderen Städten mit Tramverkehr, muss deshalb auch in Kassel die Stromversorgung modernisiert werden.

 

Dazu hat die KVG ein auf mindestens zehn Jahre angelegtes Gesamtkonzept entwickelt. Dieses sieht die Erhöhung der Fahrleitungsspannung von 600 Volt auf 750 Volt vor. Gleichrichterunterwerke (GUW), die für die höhere Nennspannung nicht tauglich sind, werden technisch nachgerüstet oder durch Neubauten ersetzt. In einem ersten Schritt nahm die KVG im Jahr 2016 auf dem Bebelplatz ein neues GUW in Betrieb. Die Straßenbahnen und RegioTrams müssen ebenfalls in Hinblick auf ihre Tauglichkeit für eine höhere Fahrleitungsspannung überprüft und gegebenenfalls auf die höhere Nennspannung angepasst werden. 

NVV-Servicetelefon: 0800 - 939 - 0800 (gebührenfrei)
KVG