Kassels ÖPNV auf neuen Wegen: Die „Kasseler Linien“

04.07.2015

Trotz der sommerlichen Hitze gut besucht war der Bürgerdialog, zu dem die KVG am heutigen Samstag in ihrem Info-Zelt am Friedrichsplatz eingeladen hatte. KVG-Mitarbeiter informierten über die Ziele und Inhalte des Entwurfs für eine Liniennetzreform, die unter dem Titel „Kasseler Linien“ im Jahr 2017 umgesetzt werden. Eine Fülle von Informationen sowie die Möglichkeit, Hinweise zu dem Entwurf abzugeben, bietet die KVG-Homepage unter www.kvg.de. In gedruckter Form sind die Pläne im Kundenzentrum in der Kurfürsten Galerie erhältlich (Foto: KVG AG / A. Fischer).

Bürgerdialog über den KVG-Entwurf des neuen Liniennetzes


Kassel, 4. Juli 2015. Zu einem Bürgerdialog über ihren Entwurf für eine Liniennetzreform hatte die KVG am heutigen Samstag auf den Friedrichsplatz eingeladen. Wer etwas über die Ziele und Inhalte der Liniennetzreform, die 2017 starten soll, wissen möchte, findet dazu auch weiter Gelegenheit. Details bis hin zu den Vorschlägen für jeden Kasseler Stadtteil bietet die KVG zum Beispiel auf ihrer Homepage sowie in gedruckter Form.

 

Nachdem die Kasseler Stadtverordneten der KVG im Mai den Auftrag für die Liniennetzreform erteilt haben, bildete der heutige Bürgerdialog den Auftakt für die Information und die Meinungsbildung der Kasseler Einwohnerinnen und Einwohner. Ab Ende September wird die KVG die während dieses Prozesses erhaltenen Hinweise strukturieren und bewerten. Bis etwa März 2016 wird sie die zielführenden Hinweise in den jetzigen Entwurf einarbeiten. Anschließend beginnt der politische Prozess mit der Beteiligung  der Ortsbeiräte und der Träger öffentlicher Belange. Voraussichtlich im Oktober 2016 wird die Stadtverordnetenversammlung über die endgültige Liniennetzreform beschließen, deren Umsetzung ab Frühsommer 2017 vorgesehen ist. Bis die „Kasseler Linien“ starten, ist demnach noch eine lange Wegstrecke zurückzulegen.

 

Der Hintergrund des Reformwerks ist: Die KVG ist gefordert, sich für die Zukunft zu wappnen. Das Mobilitätsverhalten hat sich geändert und befindet sich weiter im Umbruch. Der Berufs- und Ausbildungsverkehr wird, insbesondere am frühen Morgen, an Bedeutung verlieren, während der Einkaufs- und Freizeitverkehr gewinnt. Jüngere Menschen in den Städten zeigen eine höhere Affinität für den ÖPNV und nutzen seltener das Auto, bei älteren Menschen verläuft die Entwicklung umgekehrt. 

 

Hinzu kommt: Die letzte umfassende Reform des Kasseler Liniennetzes liegt rund 25 Jahre zurück. In dieser Zeit hat sich Kassel deutlich gewandelt und gerade in jüngerer Vergangenheit enorme Dynamik entfaltet. Zusätzlich soll die Liniennetzreform unter dem Titel „Kasseler Linien“ die Effizienz des Kasseler ÖPNV durch eine bessere Anpassung an die tatsächliche Nachfrage steigern. 

 

Grundlage für den jetzt vorliegenden Entwurf der KVG sind der Verkehrsentwicklungs- und des  Nahverkehrsplan der Stadt Kassel. Zudem wurden Ergebnisse wie beispielsweise aus  Fahrgastzählungen und -befragungen, Marktstudien, Strukturdaten, Kundenwünsche und Hinweise von Mitarbeitern, mithilfe eines Verkehrsmodells bewertet. Das Ergebnis der detaillierten Analyse von Angebot und Nachfrage anhand von Kennwerten in den Kasseler Stadtteilen ergab, dass nur wenige Bezirke mit keinem oder geringem Handlungsbedarf existieren. 

 

Handlungsbedarf zeigt sich beispielsweise auch beim Blick auf die Fahrgastnachfrage zu verschiedenen Tageszeiten, bei der Notwendigkeit, neue umsteigefreie Verbindungen zu schaffen und bei der Erreichbarkeit wichtiger Ziele.  

 

Kunden bevorzugen Produkte, die schnell und einfach verständlich sind. Das ist im ÖPNV nicht anders, und hier wird die KVG ebenfalls nachsteuern. Ein Beispiel hierzu könnte die Verbindung zwischen Jungfernkopf, Harleshausen, Kirchditmold und dem Bahnhof Wilhelmshöhe mit der geplanten neuen Buslinie 12 sein, in der die heutigen Linien 10, 19, 24 und 41 mit einem ganztägigen 15 Minuten-Takt zusammengeführt werden sollen. 

 

Dabei ist sich die KVG bewusst, „dass jede grundlegende Neuerung Fragen aufwirft“, sagt KVG-Vorstand Dr. Thorsten Ebert mit Blick auf den Vorschlag für ein neues Kasseler ÖPNV-Konzept. „Lange Vertrautes muss neu gelernt und im wahren Wortsinn erfahren werden, das schafft zunächst häufig Unsicherheit.“ 

 

Das künftige Netz bietet Routen, die besser auf die Bedürfnisse heutiger und potenzieller Fahrgäste abgestimmt sind. Neue Direktlinien werden entstehen, Ortsteile besser miteinander verbunden und Anschlüsse verbessert. Gleichwohl gelte, fügt Dr. Ebert hinzu: „Der öffentliche Nahverkehr in einer Stadt kann sich nicht an den Interessen Einzelner orientieren, sondern muss sich den der Mehrzahl seiner Fahrgäste ausrichten und das überaus komplexe Gesamtsystem im Auge behalten.“

Einige wichtige Neuerungen im Überblick

StadtLinien- und StadtteilLinien mit neuen Nummern

 

Zur besseren Verständlichkeit des Fahrangebotes auf den verschiedenen Linien schlägt die KVG eine neue Systematik vor: 

  • StadtLinien mit den Nummern 1 bis 12 verkehren auf stark nachgefragten Strecken mit großen Fahrzeugen tagsüber mindestens alle 10, 15 oder 20 Minuten und abends mindestens im Halbstundentakt auf wichtigen Teilstrecken. Dazu gehören drei Bus- sowie die Tramlinien 
  • StadtteilLinien mit den Nummern 14 bis 23 dienen der Erschließung mit Bussen in den Stadtteilen oder Wohnquartieren


  • AST(AnrufSammelTaxi)-Linien erhalten die Nummern 25 bis 29.

 

Einsatzzeiten und durchgängiger Nachtverkehr

 

Nach dem Vorschlag der KVG sollen die meisten StadtteilLinien rund um die Uhr fahren: von Montag bis Freitag ab 5 Uhr, Samstag ab 6 Uhr und Sonntag ab 7 Uhr bis Mitternacht. Völlig neu ist der durchgehende Nachtverkehr ab Mitternacht im 75 Minuten-Takt, der sonntags bis donnerstags mit dem AnrufSammelTaxi (AST) erfolgt, freitags und samstags mit RegioTram, Tram, Bus oder AST. Die KVG plant diesen Nachtverkehr als Reaktion auf die dann zunehmende Mobilität und die wachsende ÖPNV-Affinität jüngerer Menschen. 

Mehr Angebot am Samstagnachmittag

 

Mit den längeren Geschäftsöffnungszeiten hat sich auch das Freizeitverhalten geändert. So nahm in den vergangenen zehn Jahren die Fahrgastnachfrage am Samstagnachmittag deutlich zu. Um dieser Entwicklung zu entsprechen, sollen künftig alle Bahnen sowie die neue Hauptbuslinie 10 samstags bis mindestens 18 Uhr im 15 Minuten-Takt fahren.

Das Liniennetz abends, am Samstag- und Sonntagmorgen

 

Nach etwa 22.30 Uhr sinkt in Kassel unter der Woche die Nachfrage im ÖPNV, zu verzeichnen ist dies auch in den Frühstunden am Samstag und Sonntag. Vor diesem Hintergrund ist in diesen nachfrageschwachen Zeiten ein 30 Minuten-Takt werktags ab 22.30 Uhr, samstags zwischen 6 und 8 Uhr sowie sonn- und feiertags zwischen 7 und 11 Uhr auf allen StadtLinien und den meisten StadtteilLinien vorgesehen. Die Trams und Busse treffen sich jeweils zur vollen und halben Stunde am Königsplatz. 

 

Eine Besonderheit ist die Strecke Königsplatz bis Bahnhof Wilhelmshöhe: Weil hier ohnehin spätabends und frühmorgens Trams in den KVG-Betriebshof Wilhelmshöhe ein- und ausrücken, sollen in diesem Abschnitt werktags auch nach 22.30 Uhr Bahnen im Viertelstundentakt verkehren. Durch die zwei RT-Linien besteht auch in der Holländischen Straße ein 15 Minuten-Takt.  

Wesentliche Neuerung im Straßenbahnnetz

 

Auf Strecken mit hoher Nachfrage sollen auch künftig zwei oder drei Tramlinien fahren, wodurch sich ein Takt von mindestens alle sieben bis acht Minuten ergibt. 

  • Als neues Angebot geplant ist die Tram 2 für den Schulverkehr Baunatal 
  • Die Tram 3 soll künftig vom Mattenberg über Helleböhn zum Bahnhof Wilhelmshöhe, über die Wilhelmshöher Allee, durch die Innenstadt und stets über „Klinikum Kassel“ zur Endhaltestelle „Ihringshäuser Straße“ fahren 
  • Die Tram 4 würde nach der Vorlage der KVG von der Endhaltestelle „Druseltal“ starten und über die Friedrich-Ebert-Straße wie heute nach Hessisch Lichtenau verkehren
  • Tram 6 könnte, wie heute, am Schulzentrum Brückenhof beginnen, ihr weiterer Kurs würde sie jedoch ab „Weserspitze“ zur Ihringshäuser Straße führen. Auf dieser Strecke plant die KVG den Einsatz von Straßenbahn-Beiwagen
  • Tram 7 fährt nach dem Reformentwurf ab Mattenberg auf ihrem heutigen Linienweg, dann aber zur Endhaltestelle Wolfsanger. Die Tram 7 würde in nachfrageschwachen Zeiten durch Bus 20 ersetzt mit Anschluss an Tram 3 an der Weserspitze wie heute bereits Bus 26
  • Die Tramlinien 1, 5 und 8 ändern ihre Fahrwege nicht. Die Tram 8 soll jedoch aufgrund zu geringer Nachfrage werktags nach 22.30 Uhr bis Mitternacht sowie samstags morgen und sonn-/feiertags vormittags vom Bebelplatz bis zur Hessenschanze auf einen Bus umgestellt werden.

 

 

Damit würde die KVG folgende Verbindungen verbessern:

  • Tram 3 und 7 fahren von Montag bis Freitag im 7 bis 8 Minuten-Takt zwischen Bahnhof Wilhelmshöhe und Oberzwehren
  • Tram 7 soll zwischen 20 Uhr und 22.30 Uhr zwischen Weserspitze und Wolfsanger verkehren, somit würden in diesem Zeitraum die Ihringshäuser Straße und die Fuldatalstraße mit je einer Tramlinie bedient werden. Gleichzeitig kann die neue Buslinie 20 das Gebiet Wolfsanger, Hasenhecke und Bossental besser erschließen
  • Die KVG möchte die Kapazitäten auf der häufiger stark ausgelasteten Strecke in der Frankfurter Straße durch Beiwagen verstärken.


Wesentliche Neuerungen im Busnetz

Mehr als bei den Trams soll sich bei den Bussen ändern. Durch Bündelung und Neustrukturierung der bisher 20 Buslinien sollen drei StadtLinien und weitere zehn StadtteilLinien entstehen. Diese könnten insbesondere durch teilweise neue Routen für bessere Fahrangebote zu besucherstarken Einrichtungen sorgen, etwa zur Universität Kassel, dem Bahnhof Wilhelmshöhe, dem Klinikum Kassel, den Messehallen und zudem bessere und umsteigefreie Verbindungen zwischen Stadtteilen schaffen. Einige zu gering ausgelastete Buslinien würden jedoch auf AST umgestellt. 

 

Die Hauptbuslinie 10 soll an Schultagen im 10 Minuten-Takt mehrere Stadtteile im Nordwesten mit denen im Südosten besser verbinden: von Harleshausen über Rothenditmold, die Innenstadt, die Wohnstadt und den Industriepark Waldau bis Auestadion. 

 

Die Ringbuslinie 11 soll nach dem Entwurf im 20 Minuten-Takt ab der Haltestellen „Weserspitze“ über die Holländische Straße nach Rothenditmold, Kirchditmold, zum Bahnhof Wilhelmshöhe, nach Wehlheiden, zum Auestadion, der Wohnstadt Waldau und dem Forstfeld bis zum Leipziger Platz verkehren. Die Vorteile wären: Neue umsteigefreie Verbindungen mehrerer Stadtteile, stark frequentierter Einrichtungen und Standorte wie etwa an der Weserspitze, dem  Klinikum Kassel, der Universität, dem Bahnhof Wilhelmshöhe, der Fuldaaue und den Messehallen.

 

Die geplante Buslinie 12 verbindet nach dem Entwurf Vellmar-Dörnbergstraße oder die Haltestelle Holländische Straße mit dem Jungfernkopf, Harleshausen und Kirchditmold bis zum Bahnhof Wilhelmshöhe wochentags im 15 Minuten-Takt.

 

Die Stadtteillinie 15/16 könnte eine direkte Anbindung des Auebades und der Fuldaaue mit den einwohnerstarken Wohnquartieren Rothenberg, Südstadt, Auefeld, Wehlheiden und Vorderer Westen gewährleisten.

 

Bus 21 würde als Südtangente alle 30 Minuten umsteigefrei den Brasselsberg, Nordshausen und Brückenhof mit dem DEZ-Einkaufszentrum verbinden. 

 

Nach dem Entwurf der Liniennetzreform entfallen einige bisherige Bus-Angebote aufgrund zu geringer Nachfrage und alternativer Angebote. Dies würde unter anderem gelten für:

  • Bus 14 (bisher: Bus 10) fährt künftig nur noch an Schultagen morgens und nachmittags zwischen Harleshausen, Am Kubergraben und „Königsplatz/Mauerstraße“ 
  • Bus 17 bietet eine bedarfsgerecht eine Verstärkung zwischen „Königsplatz/Mauerstraße“ und dem Berufsbildungszentrum, ggfs. mit Gelenkbussen (bisher Bus 14)
  • AST27 (bisher Bus 24) ist die neue AnrufSammelTaxi-Linie zwischen Druseltal und Helleböhn.

 

Zu ihrem Vorschlag für die neuen „Kasseler Linien“ bietet die KVG eine Fülle von Informationen. Alle finden sich online und in gedruckter Form im Kundenzentrum in der Kurfürsten Galerie. Im Kundenzentrum bietet ein zusätzlicher Mitarbeiter persönliche Beratungen zu den „Kasseler Linien“.

 

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