Geschäftsbilanz 2015: KVG weiter auf Konsolidierungskurs

14.07.2016

Ergebnis um 1,1 Millionen Euro verbessert


Kassel, 13. Juli 2016. Um rund 1,1 Millionen Euro hat die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft AG (KVG) im Jahr 2015 ihr Ergebnis verbessert. Wesentlich zurückzuführen war dies auf weiter gestiegene Einnahmen aus dem Linienverkehr, die etwa 3,9 Millionen über denen des Vorjahres lagen. 

 

Um rund 1,7 Millionen Euro stiegen die Umsatzerlöse der KVG innerhalb eines Jahres oder auf insgesamt mehr als 100 Millionen Euro. Damit senkte das Kasseler ÖPNV-Unternehmen sein Jahresdefizit um über 1,1 Millionen Euro auf 15,7 Millionen Euro. 

 

Der Stadt Kassel ist der öffentliche Nahverkehr weiter einiges wert: Sie leistete mit insgesamt rund 26,9 Millionen Euro auch im Jahr 2015 einen wesentlichen Beitrag zur Finanzierung des ÖPNV. Dieser besteht neben der Übernahme des Jahresdefizits der KVG aus der Infrastrukturkostenhilfe von 4,9 Millionen Euro und der Übernahme der Pensionsverpflichtungen von 6,3 Millionen Euro.

 

„Erneut haben wir ein Ergebnis erreicht, das über dem Plan lag und befinden uns weiter auf Konsolidierungskurs“, fasste KVG-Vorstand Dr. Michael Maxelon die Wirtschaftskennzahlen des abgelaufenen Geschäftsjahres in dem heutigen Bilanz-Pressegespräch zusammen. Mit einem Kostendeckungsgrad von 88 Prozent lag die KVG wie in den beiden Vorjahren über dem bundesweiten ÖPNV-Durchschnitt von etwa 77 Prozent.  

 

Traditionell investiert die KVG fast ausschließlich in Nordhessen und stärkt so auch heimische Unternehmen anderer Branchen sowie die regionale Kaufkraft. Im Jahr 2015 beliefen sich die Investitionen mit rund 13 Millionen Euro rund drei Millionen Euro unter denen des Vorjahres. Die höchsten Beträge flossen in den Umbau der Friedrich-Ebert-Straße, den barrierefreien Ausbau der Haltestelle Kirche Kirchditmold, die Sanierung von Bahnen der ersten Niederflurgeneration und die Beschaffung von drei neuen viertürigen Schubgelenkbussen.

 

Wie in allen bundesdeutschen ÖPNV-Unternehmen werden die Fahrgastzahlen der KVG und ihres Beteiligungsunternehmens Regionalbahn Kassel GmbH (RBK) anhand verkaufter Fahrscheine und durch Fahrgasterhebungen geschätzt. In Summe blieben 2015 die Fahrgastzahlen beider Unternehmen mit insgesamt mehr als 46 Millionen etwa konstant. 

 

Die Personalentwicklung

Seit 2004 ist die KVG Bestellerin von Verkehrsdienstleistungen. Das bei ihr beschäftigte Fahrpersonal stellt sie der 100-prozentigen Tochter der KVV-GmbH KVN (KVV Verkehrsgesellschaft Nordhessen GmbH) sowie der 100-prozentigen Tochter der Stadt Kassel Nordhessen Bus GmbH (NB)* zu marktüblichen Preisen zur Verfügung. Zum Jahresende 2015 waren bei der KVG und der KVN insgesamt 837 Mitarbeiter beschäftigt. 28 junge Menschen befanden sich bei der KVG in Ausbildung.

 

Personalentwicklung bei KVG und KVN im Jahresdurchschnitt 2012 bis 2015
2012201320142015
KVG632597577572
KVN195225242266
Summe827822819838

 

*Die KVG hatte die NB bis zum Fahrplanwechsel 2015/2016 mit der Erstellung der Busverkehrsleistung in der Stadt Kassel und den Gemeinden Fuldabrück und Habichtswald beauftragt. Die NB beschäftigte dafür Fahrpersonal der KVN und mietete Fahrzeuge der KVG. 

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2015 erbringt die KVG die Busverkehrsleistungen wieder selbst. Damit entfiel die Geschäftsgrundlage der NB. Deshalb wurde sie am 1. Januar 2016 auf die KVV-GmbH verschmolzen, die dafür notwendigen Beschlüsse hatten die Stadt Kassel und der Aufsichtsrat der KVV-GmbH im Jahr 2015 gefasst.

 

Wesentliche Projekte 2015 und 2016

„Kasseler Linien“: Ein besserer ÖPNV für Kassel

Ein Angebot, das die Entwicklung der Stadt nachhaltig stützt und fördert, den ÖPNV noch bedarfsgerechter und effizienter gestaltet, für mehr Übersichtlichkeit und Transparenz sorgt, dessen hohe Qualität erhält und den Zuschussbedarf senkt: Dazu soll die Liniennetzreform beitragen, mit der die Stadt Kassel die KVG im Mai 2015 beauftragt hatte. Mit einer öffentlichen Veranstaltung auf dem Friedrichsplatz startete die KVG Anfang Juli 2015 die Diskussion des Entwurfs für ein neues Liniennetz. Kasseler Bürger, Interessengruppen und die Politik waren aufgerufen, sich aktiv zu beteiligen. Nach der Auftaktveranstaltung wurde dieser Prozess über zahlreiche Kommunikationskanäle fortgeführt. Mit dem offiziellen Abschluss im Dezember fand der bisher umfangreichste öffentliche Beteiligungsprozess in der Stadt Kassel ein vorläufiges Ende.

 

Anfang Mai 2016 veröffentlichte die KVG ihren überarbeiteten Entwurf und leitete im Juni den formalen Beteiligungsprozess ein. Nach dem bisherigen Zeitplan sollen die Kasseler Stadtverordneten bis Ende dieses Jahres die Reform beschließen, die 2017 umgesetzt werden soll. 

 

Die Netzreform wird für Kassel eine Reihe von Vorteilen bringen:

  • Das Angebot passt wesentlich besser zu der tatsächlichen Nachfrage, die Zahl der Fahrgäste wird steigen.
  • Die Netzstruktur wird vor allem durch neue Linienführungen im Busbereich klarer und übersichtlicher.
  • Die „Kasseler Linien“ werden zu mehr Pünktlichkeit und Zuverlässigkeit führen, weil bei zeitlich knappen Umstiegen mehr Zeitpuffer eingeplant sind.
  • Verbesserungen ergeben sich für die überwiegende Zahl der Fahrgäste. Hervorzuheben sind insbesondere der 10 Minuten-Takt zwischen Harleshausen-Rothenditmold-Innenstadt und Waldau, der 7,5 Minuten-Takt auf der Helleböhnstrecke, die Verlängerung des Viertelstundentaktes bis 18 Uhr an Samstagen, der 15 Minuten-Takt auf der Strecke Weserspitze-Rothenditmold/Wehlheiden-Auestadion und die Kapazitätsverstärkungen durch den Einsatz von Straßenbahn-Beiwagen.

Mit der Liniennetzreform erhalte die Stadt Kassel ein deutlich besseres ÖPNV-Netz als heute, erklärte Dr. Maxelon. „Oder kurz: Mehr Angebot, mehr Fahrgäste und mehr Erlöse.“

Die Liniennetzreform ist ein wichtiger Baustein in dem Konsolidierungsprojekt „mobil4kassel – KVG 2020“, das ein vielschichtiges Bündel externer wie interner Maßnahmen in allen Bereichen der KVG umfasst. 

Relaunch des JobTickets: Arbeitgeberengagement wird honoriert

Im Jahr 2015 erzielte die KVG 35,4 Millionen Euro Einnahmen aus dem Linienverkehr. Dieser deutliche Zuwachs ist auch auf einen erfolgreichen Vertrieb zurückzuführen. Dies gilt zum Beispiel für das JobTicket. 

 

Diese rabattierte Fahrkarte im Abonnement können Berufstätige über ihren Arbeitgeber beziehen. Bei den Fahrscheineinnahmen spielt es für die KVG seit Jahren eine zunehmende Rolle. Bisher fahren gut 10.000 Beschäftigte nordhessischer Unternehmen Bus oder Bahn mit dem JobTicket, der Löwenanteil kommt dabei aus dem Tarifgebiet KasselPlus.

 

Der Markt ist längst nicht ausgeschöpft. Dafür sprechen folgende Zahlen: In der Stadt Kassel wohnen rund 100.000 Berufstätige, nach Berechnungen der Bundesagentur für Arbeit haben knapp 30.000 ihren Arbeitsplatz außerhalb. In Kassel gibt es fast 150.000 Arbeitsplätze und an jedem Werktag pendeln mehr als 70.000 Menschen beruflich in die Stadt. Mit einem Relaunch zielt die KVG darauf, dieses Potenzial noch besser zu nutzen. Dafür wurde im Jahr 2015 mit gutachterlicher Unterstützung gemeinsam mit dem NVV ein neues Preiskonzept entwickelt, dessen Umsetzung in diesem Sommer starten und bis 2018 vollständig umgesetzt werden soll. „Wir sind optimistisch, damit im Endausbau jährliche Mehreinnahmen von bis zu 500.000 Euro zu erzielen“, lautete Dr. Maxelons Ausblick. 

 

Umgesetzt wurde im Jahr 2015 die Einführung des JugendFreizeitTickets, dessen Abonnentenziel von 1500 zum Jahresende bereits überschritten wurde. Gemeinsam mit dem NVV wurden ferner ergänzende Angebote für Jahreskartenbesitzer ab Frühjahr 2016 beschlossen. Mit der Jahreskarte NordhessenFreizeit können die Abonnenten zu einem Preisunterschied von sechs Euro gegenüber der Jahreskarte abends und am Wochenende das gesamte NVV-Gebiet befahren.

 

Auch bei der Vermarktung ihrer Produkte legte die KVG weiter zu und erneuerte die Vertriebsstrukturen für das GroßgruppenTicket, setzte das Dialogmarketing fort und initiierte eine Kampagne für die beiden Varianten des MultiTickets. Mit diesen und weiteren Maßnahmen sollen die Erlöse bei den Fahrgeldeinnahmen von 2016 bis 2020 jährlich um mindestens 1,2 Millionen Euro steigen.  

 

Infrastruktur: Clever investieren für mehr Erlöse

Nach einem aktuellen ÖPNV-Benchmark arbeitet das Unternehmen gerade im Bereich Infrastruktur, der unter anderem den Neu- und Umbau sowie die Instandhaltung von Schienen- und Haltestellenanlagen umfasst, wirtschaftlich sehr effizient. Gleichwohl entwickelt die KVG auch hier neue Konzepte, um den ÖPNV und den Einsatz finanzieller Ressourcen zu verbessern. 

 

Untersuchungen zu infrastrukturellen Optimierungen finden derzeit unter anderem für die Tramtrasse durch das Lossetal statt. Hintergrund ist, dass hier seit Jahren keine Güterzüge mehr verkehren. Dennoch muss auf der Strecke teils nach Eisenbahnregeln (EBO) gefahren werden, was mit höheren Kosten auch für die Infrastruktur zu Buche schlägt. Geprüft wird deshalb, ob die Strecke auf einen reinen Straßenbahnbetrieb (BOStrab) oder einen vereinfachten EBO-Betrieb umgestellt werden kann. Ein weiteres Ziel der Untersuchungen ist, den Fahrbetrieb zu beschleunigen, um mehr Fahrgäste zu gewinnen. Dies wurde zum Beispiel durch geänderte Signalisierungen bereits erreicht, doch die Suche nach zusätzlichen Möglichkeiten geht weiter.

 

Ein weiteres Beispiel für neue Konzepte, die zu weiteren Verbesserungen im ÖPNV unter der Prämisse wirtschaftlicher Effizienz sind Investitionen in die Stromversorgung. Das Ziel lautet, die Spannung im Tramnetz von 600 auf 750 Volt zu erhöhen. Dies soll durch Nachrüstung in den bestehenden 38 Gleichrichterunterwerken geschehen. 

 

Hintergrund ist der Betrieb mit modernen klimatisierten Straßenbahnen, der Betrieb mit Tram-Doppeltraktionen sowie die seit Dezember 2013 in höherer Zahl im Stadtgebiet verkehrenden RegioTrams. Dadurch stiegen der Strombedarf und die Stromspitzenlasten. Zusätzliche Energie wird benötigt, wenn voraussichtlich ab Dezember 2016 der Vorlaufbetrieb mit Straßenbahn-Beiwagen beginnt und mit der Liniennetzreform ab 2017 auf der Achse Ihringshäuser Straße-Frankfurter Straße-Schulzentrum Brückenhof fortgesetzt werden soll. 

 

Stadtbildprägende Unternehmen wie die KVG tragen eine hohe Verantwortung für die Integration ihrer Infrastruktur in die urbane Architektur. Im Jahr 2015 boten die zum Boulevard umgestaltete Friedrich-Ebert-Straße und die Umbauten rings um die Haltestelle Kirche Kirchditmold Beispiele, wie dies erfolgreich gelingen kann. Durch die Bündelung von Bahn- und Autoverkehr in der Friedrich-Ebert-Straße auf einer Fläche entstand im Straßenraum Platz für breitere Gehwege, die Möglichkeit durch einen Mittelstreifen eine Querungshilfe für Fußgänger zu schaffen sowie die Option, durchgängige Radwege anzulegen. Für die ÖPNV-Fahrgäste ergaben sich Haltestellen im Seitenbereich, die das bisherige Queren der Fahrbahn überflüssig machen und den Aufenthalt angenehmer werden ließen. 

 

Das mit Abstand seit vielen Jahren komplexeste Bauprojekt der KVG wird der Umbau der Rathauskreuzung ab dem 1. August mit der Erneuerung der aus dem Jahr 1996 stammenden Gleisanlage. Darin eingeschlossen ist der im Jahr 2005 ausgetauschte Gleisbogen von der Königsstraße Richtung Ständeplatz. Ausgeklammert wird bei den Bauarbeiten der Bogen von der Fünffensterstraße in die Königsstraße. In diesem Zusammenhang modernisiert die KVG auch die Haltestelle Fünffensterstraße. 

Zeitgleich finden Gleisarbeiten in der Wilhelmshöher Allee statt. Die Stadt Kassel erhält in diesem Jahr Bundeszuschüsse für die städtebauliche Aufwertung der Wilhelmshöher Allee als Verkehrs- und Blickachse zum Weltkulturerbe Bergpark. Dabei soll die Wilhelmshöher Allee auch begrünt werden. Die KVG nutzt dies, um die Gleisanlage von der Rathauskreuzung bis zur Kreuzung Adolfstraße und Königstor auszuwechseln und Rasengleise einzubauen. Im nächsten Jahr, vor der documenta, werden die Gleisarbeiten von der Adolfstraße bis zum Kirchweg fortgesetzt. 

 

Gebrauchte Schienenfahrzeuge erleben ihr Comeback

Bereits seit 1991 setzt die KVG bei den Straßenbahnen auf Niederflurtechnik und war damals bundesweiter Vorreiter im ÖPNV. Diese Bahnen vom Typ 6ENGTW werden seit 2014 grundlegend saniert und für ihren flexibleren Betrieb umgebaut. Das so genannte Retrofit, das jährlich etwa drei Bahnen aus den Jahren 1991 und 1994 umfasst, ermöglicht deren Einsatz für etwa weitere 16 Jahre. Durch Umrüstungen auf den EBO-Betrieb können die Trams anschließend auch auf der Baunataltrasse verkehren. 15 der 25 6ENGTW-Bahnen sind in das Retrofit einbezogen, das sich auch auf die Produktion von Bauteilen erstreckt. Das Programm mit einem Gesamtbudget von mehr als einer Million Euro pro Bahn erfolgt bei der KVG in weit höherem Maße als in allen anderen deutschen ÖPNV-Unternehmen in Eigenleistung.

 

Im laufenden Jahr begann zudem der Umbau von zehn der 15 Straßenbahn-Beiwagen, die die KVG von den Rostocker Verkehrsbetrieben erworben hatte. Der Betrieb mit den 45 m langen Beiwagenverbänden wird voraussichtlich im Dezember 2016 auf der Linie 1 zwischen dem Kasseler Bergpark und Vellmar-Nord beginnen und hier Tram-Doppeltraktionen teilweise ersetzen. 

 

Während bei Straßenbahnen im bundesdeutschen ÖPNV im Linienverkehr mit einer Betriebszeit von mindestens 25 Jahren ausgegangen wird, beträgt diese bei Bussen rund zehn Jahre. Die letzte umfangreiche Neubeschaffung von 20 Bussen datiert aus dem Jahr 2007. 

 

Vor diesem Hintergrund wird die KVG ab dem kommenden Jahr ihre Busflotte weiter verjüngen. Der Aufsichtsrat hat in seiner Sitzung im Juni dieses Jahres dem Erwerb von zehn Schubgelenk- und 13 Solo-Bussen zugestimmt, die mittlerweile bei dem Hersteller Solaris bestellt wurden. Im Gegenzug mustert die KVG sukzessive Busse der Baujahre 2000 und 2005 aus. Jeder von ihnen hat etwa eine halbe Million bis 900.000 km im Linienverkehr absolviert.

NVV-Servicetelefon: 0800 - 939 - 0800 (gebührenfrei)
KVG